Judith Kaminski

Picking Flowers

4.9. – 3.10.2026

Mit Picking Flowers präsentiert Judith Kaminski im kjubh Kunstverein neue Arbeiten, in denen sich Malerei, Textil und Keramik zu einer farbenreichen, vielschichtigen Bildwelt verbinden. Pflanzen (und Insekten) bilden den Ausgangspunkt ihrer Arbeiten. Aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst, werden sie fragmentiert, vergrößert und neu angeordnet. So verwandelt sich der Ausstellungsraum in eine farbintensive Naturwelt, in der botanische Formen, textile Oberflächen, malerische Strukturen und keramische Objekte miteinander in Beziehung treten.

Der Titel Picking Flowers (dt. Blumen pflücken oder auswählen) verweist sowohl auf eine beiläufige, spielerische Handlung als auch auf den bewussten Akt des Auswählens, Herauslösens und Neuverbindens – drei Prinzipien, die Kaminskis Arbeitsweise prägen. Die Pflanzen in ihren Arbeiten sind häufig konkrete Entdeckungen aus dem Alltag, aus Gärten, Wäldern oder auf Reisen. Beobachtet und ausgewählt, werden sie aus ihrem ursprünglichen Kontext gelöst und in eine neue visuelle Ordnung überführt. In den getufteten Textilarbeiten erscheinen Pflanzen als zeichnerische Formen aus Wolle, die wie überdimensionierte Sticker auf bemalten Leinwänden sitzen. In anderen Arbeiten legen die textilen Formen Teile der darunterliegenden Malerei frei. Was zunächst abstrakt erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als die Flügelzeichnung des Mittleren Weinschwärmers. Die dargestellte Pflanze dient der Raupe dieses Schmetterlings als Futterpflanze.

Auch die neuen Arbeiten auf Papier greifen das Prinzip des Herauslösens und Neuverbindens auf. Ausgeschnittene Tuschezeichnungen von Pflanzen liegen auf farbintensiven Aquarellflächen. Motiv und Hintergrund sind voneinander lösbar und könnten immer wieder neu kombiniert werden. Die Arbeiten machen so nicht nur den Prozess des Auswählens sichtbar, sondern auch die Möglichkeit, Beziehungen zwischen Form, Farbe und Motiv immer wieder neu zu denken.

In den keramischen Arbeiten setzt Kaminski diese Untersuchungen im dreidimensionalen Raum fort. Pflanzen erscheinen als Linien, Umrisse oder Fragmente auf Gefäßen und Objekten, deren Formen zwischen Funktionalität und Skulptur changieren. Über die verschiedenen Medien hinweg geht es Kaminski um Farbe, Form, Oberfläche und Materialität – ebenso wie um die Frage, wie sich die Bedeutung und Wirkung eines Motivs verändert, wenn es aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gelöst und in ein anderes Medium übertragen wird.

Judith Kaminski (*1994 in Kamp-Lintfort) studierte Freie Kunst an der Kunstakademie Münster und schloss ihr Studium 2020 als Meisterschülerin von Prof. Klaus Merkel ab. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Kunstvereinen, Galerien und Museen in Deutschland zu sehen, darunter im Museum Ostwall in Dortmund in der Ausstellung Flowers! Blumen in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Ihre Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen. Kaminskis medienübergreifende Praxis verbindet botanische Beobachtungen und naturwissenschaftliche Bildwelten mit einer zeitgenössischen, digital geprägten Ästhetik.