18.4.-16.5.2026
Appendix, 2026.
Den Raum betritt man, oder besser, ich betrete den Raum durch eine unscheinbare Tür, die sich in die rhythmische und doch gleichförmige Fassade des Hauses eingliedert. Nähme ich eine andere Tür, würde ich das Haus betreten, Treppen steigen, andere Räume begehen, vielleicht sogar auf’s Dach klettern. Ich gehe aber durch diese Tür, über diese Schwelle und stehe am Beginn eines tunnelartigen Gangs. In Gängen geht man, so sind sie angelegt und dieser zieht mich hinein. Beim Gehen steigt der Boden kaum spürbar an, ich muss wirklich darauf achten, und die Decke kommt einem entgegen, das sieht man eher. Der Klang des Außenraums wird gedämpfter und jetzt, unmerklich, das geht mir fast unter, trete oder vielmehr gleite ich über eine zweite Schwelle, genauer, Bodenwelle und der Raum weitet sich. Er ist grob rechteckig und irgendwie sackartig. Also wie eine Sackgasse. Ich wende mich unter dem gleißenden Licht, die Decke ist wieder etwas höher, aber doch niedrig und ich taste kreisend die Wände ab: Stein, Holz, Gipskarton, Simse, Ecken, Nischen, Vorsprünge – Dinge und Durchgänge wurden versteckt und sind verdeckt. Liegt hinter der Wand ein weiterer Raum oder der Außenraum? Der Raum wirkt wie in das Haus geschoben. Und jetzt habe ich das Gefühl, nein, ich höre Geräusche hinter Wand, Stimmen. Es könnte aber auch Einbildung sein, wie vieles.
Kriz Olbricht arbeitet mit Skulptur, Installation, Intervention, Fotografie und Klang. Seine Arbeiten verdichten konzeptuelle Überlegungen, Bedingungen des Ausstellungsorts und Beobachtungen teils alltäglicher, teils außergewöhnlicher Szenen, die ihm in urbanen wie auch ländlichen Räumen begegnen. Olbricht thematisiert Aspekte des Sicht- bzw. Unsichtbaren, Formen des Scheiterns, fragile Zustände oder intendierte Gleichzeitigkeit, die durch räumliche oder zeitliche Trennung dennoch nur nacheinander erfahrbar ist. Wiederkehrende Kooperationen mit anderen Künstler*innen und Kurator*innen sowie das Konzipieren von ortsspezifischen Ausstellungen ergänzen seine künstlerische Praxis. Kriz Olbricht studierte an der Kunstakademie Karlsruhe sowie der ENSA Villa Arson in Nizza und lebt in Köln.
www.krizolbricht.de